Serie „Man singt deutsch“ – Teil 20: Sportfreunde Stiller

Die Sportfreunde Stiller können sich auf ihre Fans verlassen, sozusagen den vierten Mann eines jeden Konzerts neben den Bühnenakteuren Peter S. Brugger (Gitarre, Gesang), Florian „Flo“ Weber (Schlagzeug) und Rüdiger „Rüde“ Linhof (Bass). Erspielt haben sich die Sportis diese Anhängerschaft durch ungefähr 738 Auftritte im Jahr, jugendliche Unbekümmertheit und schmissige Refrains mit hoher Mitsingquote. So konnte das Münchner Trio 2004 eine DVD („Ohren zu und durch“) sowie eine Live-CD („Live“) veröffentlichen, ohne dass die Erfolgskurve stagnieren würde. „Das ist DIE Zeit unseres Lebens! Wir genießen sie – und holen weiter ganz weit aus“ bestätigt Flo diesen Eindruck.

„Burli“, die dritte Langspielplatte nach „So wie einst Real Madrid“ und „Die gute Seite“, zeigt die Sportfreunde Stiller weiterhin als deutschsprachige Rocker, die ihr Spektrum zwischen harten Metal-Riffs und pianogeschwängerten Balladen weit streuen. Produzent Uwe Hoffmann steht für die Entwicklung des Bandsounds – wenn auch nicht um 180 Grad. Denn genau diese Mischung, versetzt mit dem speziellen Sportfreunde-Humor, lieben die Fans an ihren Jungs. „Du und ich und sonst noch ein paar Leute, wir sind auf der guten Seite“ heißt es da im Text von „Auf der guten Seite“ - wer hört das nicht gerne? Sie praktizieren kontrollierte Offensive, spielen kaum auf Risiko, aber punkten durch ihre Sympathie, Wortwitz und lehnen sich nie zu weit aus dem Fenster der Provokation. Nicht nur mit den Songtiteln "Lauth anhören" oder "Ich, Roque" verweisen sie auf (ehemalige) Fußball-Profis der beiden Münchener Clubs - auch bandintern wird das Stadtduell zwischen dem FC (Peter) und den 1860ern (Rüde und Flo) ausgetragen. Selbst der Bandname rührt vom runden Leder her: Namensgeber ist Hans Stiller, Trainer beim Bezirksligisten SV Germering.

Doch Peters Texte drehen sich ebenso um Zwischenmenschlichkeiten und Freundschaft, teilweise untermalt mit Punkrock-Gesten wie Rülpsen oder Gelächter. Zwei Seiten einer Medaille? Flo: „Wir wollen nur immer betonen, dass wir das Leben und vor allem uns selbst nicht zu ernst nehmen. Dann ist alles locker und flockig!“ Angesprochen auf die derzeitig polarisierende Diskussion um das neue „Heimat-Gefühl“ deutschsprachiger Bands wie Mia, entgegnet der Schlagzeuger strikt: „Wir wurden einst wegen „Heimatlied“ in so eine Diskussion verwickelt. Lächerlich! Aber so ein Pro-Deutschland-Gefühl ist nicht vonnöten.“ Stattdessen konzentrieren sich die Sportfreunde Stiller auf die derzeitige Tournee, die sie durch Österreich und Deutschland führt. Und die den vierten Mann im Team sicher noch verstärken wird. Henrik Drüner

aktuell: „Live“ (Universal), Doppel-CD mit Konzert vom 26.4.2004 aus der Olympiahalle München