Stefan Stoppok in der Pumpe


Im Grunde ist Stefan Stoppok ein wandelnder Stilbruch, sowohl vom Outfit als auch vom musikalischen Standpunkt: "Ich stehe auf Sachen, die nicht zusammenpassen. Wenn ich auf irgendetwas mache, dann auf konträr und auch das, bitte schön, ohne Krampf."

Der gebürtige Hamburger, der in der Ruhrmetropole Essen lebt, wollte schon immer dem Image eines Querdenkers entsprechen und kultiviert dieses seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Dass es Typen wie Stoppok noch gibt, ist ebenso erstaunlich wie erfreulich im derzeitigen Massenzeitalter, in dem Eigenwilligkeit und Originalität ein absolut seltenes Phänomen geworden sind. Anfang der 80er Jahre begann Stefan Stoppok seine Karriere als Straßenmusiker. Inzwischen hat der Ruhrpott-Barde 17 Alben veröffentlicht, die ihn im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt machten. Warum es nicht zum ganz großen Ruhm reicht?

Stoppok pflegt seinen Exoten- und Geheimtippstatus jenseits aller Trends, fernab von allem, was in deutschsprachiger Musik jemals populär war. Er kann es sich leisten, weil er noch nie das Publikum zum Quotenvieh degradiert hat und sich selbst zur Jukebox. Das Leben vor dem Altar des Ruhmes opfern und zu einem rastlosen Rockspießer mutieren - das ist gar nicht sein Ding. Lieber macht er den Aussteiger auf Zeit, den Straßenmusikanten rund um den Globus und genießt das Leben als "passionierter Faulenzer", wie er selber zugibt. Er gehört zu denen, die sich nicht von der Musikindustrie vereinnahmen lassen, sondern stattdessen ihren eigenen Weg gehen. Seine Fans lieben ihn gerade dafür und lassen seine Konzerte zu einer einzigartigen Art Happening "Marke Stoppok" werden. Seine Entertainerqualitäten sowie das exzellente Gitarrenspiel kommen in den Solo-Auftritten erst richtig zur Geltung.

Der Multiinstrumentalist - neben Gitarre und Keyboards beherrscht Stoppok auch Banjo und Mandoline - versteht es, in seinen Liedern grundsätzliche Fragen und Probleme unserer Zeit in oft persönlich gefärbten Geschichten zu erzählen und damit eine natürliche Verbindung des Privaten mit dem Allgemeinen zu erstellen. Alltagsprache wird bei ihm zu Poesie, die Bilder von berührender Direktheit schafft.

Das Spiel mit der Muttersprache macht ihn zu einem Rockpoeten und Singer/Songwriter deutscher Sprache. "Die Texte sollten sich nicht einem bereits vorhandenen Rhythmus anpassen, sondern sprachliche und musikalische Rhythmik sich gegenseitig bedingen", erklärt Stoppok seinen Ansatz und seinen Schritt zur Folklore. "Ich habe mit Iren, Engländern und Franzosen zusammengespielt und dabei festgestellt, dass sie sowohl sprachlich als auch musikalisch eine Identität haben. Die haben wir abgesehen von geschichtsbedingten Unterbrechungen auch. Man muss nur lange genug suchen und weit genug zurückgehen." Folklore als akustischer Rock'n'Roll, nicht reduziert auf Pfadfindergegröle oder Lagerfeuerromantik. Der Feind in seinen Augen? Das ist die deutsch-dreiste Reimerei, Tränendrüsen-Pop und geheucheltes Sentiment. Dies sucht der Hörer bei Stefan Stoppok vergebens: Hier werden Geschichten erzählt, ganz normal, ganz banal, einfach schön.

Dienstag, 17. August, 20 Uhr, Pumpe (Haßstr. 22)

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 14.08.2004