DJ Storm lieferte im Luna ein fulminantes Drum&Bass-Set ab

"Wenn du als Frau einen Fehler machst, wirst du für sechs Monate nicht gebucht." Jayne Coneely alias DJ Storm kennt den Preis, den sie mit ihrer Karriere im männlich dominierten DJ-Metier zahlt. Doch zu den weltweiten Fanscharen kommen nach ihrem Auftritt am Freitag im Luna sicherlich noch einige Neulinge hinzu. Zu sympathisch ihr Auftreten, zu beeindruckend ihr Mix – und nebenbei auch fehlerfrei.

Vor anderthalb Jahren stand die so respektierte Halb-Irin das letzte Mal an den Luna-Plattentellern, um ihre Vorstellung von einem gelungenen Drum&Bass-Set unters tanzende Volk zu bringen. Was zu Beginn der Neunziger als Radiomoderatorin begonnen hatte und über das Londoner Metalheadz-Label zum Erfolg führte, versprüht auch heute noch eine ungeheure juvenile Energie. Coneely transportiert die musikalische Kraft der Platten und leitet sie direkt in die Gehörgänge der Nachtschwärmer.

Das Besondere an ihrem Stil, dem Drum&Bass, liegt in der Prozess orientierten Form, die im Vergleich mit anderen Musikgenres beispiellos bleibt: Aufbau, Steigerung, Höhepunkt oder Abbruch als Interruptus lösen sich nahtlos ab, fließen ineinander und lassen die Dynamikkurve fiebrig ausschlagen. Sphärische Introduktionen oder Zwischenteile fallen abrupt in sich zusammen und münden in ein Gewitter aus Rhythmus und Bassläufen, baumstammdicken Beats und zischelnder HiHat.

Auffallend viele Songs mit Gesangsparts zieht DJ Storm aus der Plattenkiste, die somit eine weiche Note hineinbringen, aber nichts von der Härte des Fundaments einbüßen. Sekunden der Zäsur und Atempause werden mit Jubelschreien quittiert, in Vorfreude auf den nächsten Gipfel, der die Schläge noch wuchtiger und mächtiger als zuvor auf den Hörer einprasseln lässt. Coneely zuckt mit dem ganzen Körper im Takt, wiegt von links nach rechts, die Augen immer gebannt auf die laufenden Platten und die Regler vor ihr gerichtet. Sie strahlt übers ganze Gesicht. Und sie lebt Rhythmus: Selbst ein zwischenzeitliches Niesen scheint im Takt zu erfolgen! Die gute Stimmung überträgt sich auf die proppenvolle Tanzfläche, und alle sind Teilnehmer in dem Spiel, das für einige Stunden die Welt bedeutet. Projizierte Karate-Videos an der Seitenwand bilden mit ihren zackigen Bewegungen ein Äquivalent zum musikalisch geformten Bild. Doch die wenigsten werden dafür einen Blick haben – zu sehr fordert das Set von einem der weltbesten Drum&Bass-DJs.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 25.01.2005 01:00