Drum & Bass für Genießer: Subsonic Pressure im Luna


Sie sind die festen Größen im Kieler Party-Kalender, die Klassiker der städtischen Club-Kultur. Und können mit ihrer speziellen Ausrichtung auf eine treue Fangemeinde bauen. In loser Folge stellen die Kieler Szenen diese Discos vor: die Geschichte, die Konzepte und die Macher.

"Das ist für mich wie morgens aufstehen und Zähne putzen – ich mach halt Drum & Bass!" Für Jan Schmidt eine ganz natürliche Sache. Seine große Leidenschaft ist eben jener Musikstil, der seit dem Beginn der Neunziger die Clubmusik aufmischt. Immerhin drei Jahre lebt der 27-jährige Hamburger unter dem Pseudonym Matik diese Leidenschaft mittlerweile im Luna aus, gemeinsam mit Christoph Vogel (Subz), Patrick Pollmanns (Pat) und Frank Petrowski alias MC Upakut. Immer am letzten Freitag im Monat heißt es: "Subsonic Pressure – Finest Drum & Bass". Doch schon lange vor dem Start der Veranstaltungsreihe zur Kieler Woche 2002 kamen die Bässe ins Rollen. Bereits Mitte der 90er legten Jan und Patrick zusammen Platten auf, organisierten Partys in ganz Schleswig-Holstein. Bei Groove Complex-Events übernahmen sie regelmäßig den Support für Szene-Größen wie Phoneheads in der Pumpe oder LTJ Bukem in der Halle400. Kai Hellebrandt, Geschäftsführer des Luna, mussten die Vier jedoch "ordentlich auf die Nerven gehen", bis er schließlich einer monatlichen Clubnacht zustimmte.

Zu der Zeit ein Risiko, denn Drum & Bass war nicht (mehr) massentauglich, verschwand bis zur Jahrtausendwende mit sehr düsteren und aggressiven Tönen immer stärker aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und schrumpfte sich allmählich gesund. Seitdem wurde das Genre wieder zugänglicher, bereicherte sich mit Gesangsanteilen und Pop-Appeal, nutzt Elemente aus House, HipHop oder Dub – "und das alles auf Punkrock-Geschwindigkeit mit 170 Beats pro Minute", wie Patrick lachend einwirft. Alles ist möglich – so auch beim Namen "Subsonic Pressure": Er klingt nach Drum & Bass, gewaltig und futuristisch, bleibt aber stilistisch offen. Auf die Frage, warum gerade dieser Stil ihnen so zusage, überschlagen sich Stichworte wie "Tempo" und "Vielseitigkeit", "Drum-Beats" und "Bässe". "Der Druck war unbeschreiblich, als ich in den Raum hineinkam", erinnert sich Frank an seine erste Erfahrung in der Hamburger Markhalle. "Beim Techno schlägt dir der Bass auf den Kopf, aber da schien der Bass über den Boden zu fließen. Ich stand auf ihm, musste mich darauf bewegen." Beim Beschreiben nimmt er die Hände zu Hilfe, imitiert die Bewegung eines Wellenreiters auf seinem Brett, die Augen leuchten. Die Musik fordert den Tänzer weniger intellektuell, sondern erzeugt durch die Bassfrequenzen ein sehr körperliches Gefühl, vor allem in der Magengegend.

Frank, der mittlerweile in Bremen wohnt, übernimmt als MC die Rolle des Vermittlers zwischen den DJs und den Tanzenden; er ist dabei sowohl Schnittstelle als auch Entertainer: "Es geht nicht darum, Erlebnisse vom Nachmittag ins Mikrofon zu rufen, sondern das Publikum die Musik spüren zu lassen und es anzufeuern", so der 24-jährige Zungenakrobat. Privat läuft der Kontakt untereinander wegen der großen Entfernungen meist übers Internet ab. Auch die internationale Szene trifft sich in Online-Foren und handelt mit den neuesten Sounds, so dass selbst Plattenfirmen diese Verfügbarkeit nutzen und Drum & Bass-Songs teilweise über das World Wide Web vertreiben. Christoph und Jan produzieren als "Matik & Subz" eigene Tracks, testen diese auf der Club-Anlage und warten eine erste Publikumsreaktion ab. Der Kölner DJ und Produzent The Green Man, 2003 zu Gast im Luna, zeigte Interesse an einem der Tracks und brachte ihn anschließend bei seinem Basswerk-Label heraus. Zum einen Anerkennung für die beiden Bastler, zum anderen ein deutliches Zeichen: Die lokalen Crews werden immer mehr geschätzt, nicht nur die großen Namen aus England – auch wenn nach Meinung der Subsonic Pressure-Jungs neben Kabuki vor allem DJ Storm und Doc Scott bislang die besten DJ-Sets abgeliefert haben.

Zumindest besteht in Kiel eine vitale Szene, die sich rund um die Freitags-Clubnacht etablierte, mit wachsendem Stammpublikum plus neugieriger Nachtschwärmer. Doch "man lebt eher dafür als davon", wie Patrick zugeben muss. Alle vier haben Berufe. Zwischendrin klingelt Christophs Handy. Der Klingelton? Na klar, ein Drum & Bass-Beat. Die Vier leben für ihre Musik - mit Leib und Seele.

"3 Years Anniversary of Subsonic Pressure": heute, 23 Uhr, Luna

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 26.08.2005 01:00