Superpunk in der Pumpe

 

Gerade in Zeiten, in denen das Wort „Terror“ das meist genannte in Nachrichtensendungen darstellt, sind Bands wie Superpunk so wichtig: für eine Erdung, für das kurzfristige Abschütteln der Verunsicherung. Oder für ein bisschen Seele, wie es das Hamburger Quintett formuliert. An symbolträchtigen Tagen wie dem 11. September kann und sollte man sich darüber Gedanken machen. Beim Konzert von Superpunk in der Pumpe spielte der Jahrestag allerdings keine Rolle, wurde die Bühne nicht als Rednerpult zweckentfremdet oder mit politischer Brisanz aufgeladen.

Stattdessen feierten die 'Top Old Boys' eine umjubelte Rückkehr, im Reisegepäck das aktuelle Album „Einmal Superpunk, bitte“. Drei Jahre nach „Wasser marsch“ ließen es die sympathischen Hanseaten krachen – zwar weniger als noch in den Anfangstagen, aber dafür mit umso mehr Groove. Superpunk sind ein adrett gekleidetes All-Star-Team, das sich 1995 als Coverband zusammentat, um auf Partys freie Getränke zu bekommen und sich vehement gegen das Harte und Derbe bei Rock’n’Roll-Bands ausspricht. Auch im Publikum wurden weniger Fäuste, dafür umso mehr Zeigefinger in die Luft gereckt, wenn es in den plakativen Textzeilen heißt: „Ich bin nicht böse geboren/ ich wollt nur neue Zähne für meinen Bruder und für mich“ oder „Ich bin ein schwacher Mensch/ ich rauche zu viel/ ja ja“.

Carsten Friedrichs, Sänger und Gitarrist, verkörperte den unprätentiösen und ehrlichen Charakter der Band: Nein, er sang nicht perfekt, aber von Herzen und mit völliger Hingabe. Nur so bekam die kämpferische Underdog-Attitüde der Texte den richtigen Ausdruck und der gebeutelte kleine Mann als Hauptperson keinen faden Beigeschmack. Zusammen mit Lars Bulnheim (Gitarre), Tim Jürgens (Bass), Thies Mynther (Tasten) und Thorsten Wegner am Schlagzeug klingen selbst bohrende Themen der Zweiklassengesellschaft, als würden Jackie Wilson und Dexy’s Midnight Runners gemeinsame Sache machen. Britischer Northern Soul, made in Hamburg!

Keine fetten, dominierenden Gitarren, sondern auch Streichersounds und Bläser, die Mynther aus dem Keyboard zieht – zwangsläufig mit Abstrichen gegenüber der Studioaufnahme, aber mit dem Drang zur Tanzbarkeit. Nicht nur die neue Single „Ich weigere mich, aufzugeben“, Maxine Nightingale’s „Get back to where we started from“ oder „Auf ein Wort Herr Fabrikant“ trieben den Tanzpulk vor die Bühne und drückten den Verschwitzten ein breites Lächeln aufs Gesicht. Zugaben? Gerne, danke. Wie heißt einer der Songs treffend: Man kann eben einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen.