Susi Hyldgaard lässt das Feminine in Tönen erklingen und erleuchten

 

Auf ihrer aktuellen CD "Blush" (enja/Soulfood) schlüpft sie in verschiedene Rollen, denen sie nicht nur mit ihrem vokalen Timbre, sondern auch am Flügel oder auf dem Akkordeon Leben verleiht: Susi Hyldgaard, 41-jährige Sängerin und Multi-Instrumentalistin aus Kopenhagen.

Hyldgaard ist eine selbstbewusste Geschichtenerzählerin, die zur Protagonistin ihrer eigenen gesungenen Miniatur-Theaterstücke wird. Ihre Kompositionen tanzen geschickt zwischen Jazz, Pop, House-Beats und Singer/Songwriter-Idiomen. Wild und zart, atemlos und ruhig. Ihre Devise dabei: Raum lassen, nie alles sagen, stattdessen der Fantasie einen sanften Schubs geben. "Songs können alles sein: Verse, eine Geschichte, Laute, Stille, chemische Reaktionen. Ich schaue mir oft Gemälde an, und mir fällt manchmal nichts dazu ein. Entweder es berührt mich oder es lässt mich kalt. Genauso ist es mit der Musik", erzählt die Mutter einer achtjährigen Tochter.

Mit ihrer rauchigen Stimme und einem dänisch akzentuierten Englisch lässt Susi Hyldgaard das Weibliche in Tönen erklingen und erleuchten – und ihren Charme spielen: Produzent Matthew Herbert beispielsweise konnte nicht widerstehen, als sie ihn nach einem Remix für den Titelsong Blush bat. Er dreht sich um das Erröten durch Scham, denn Hyldgaard möchte irritieren, aufwühlen, anrühren. Schon die früheren Alben My Female Family (1996), Something Special Just For You (2000) und Home Sweet Home (2002) deuteten den bewussten Schritt zur Reduktion an: so wenig Instrumente wie möglich, Streicher und Bass, ein paar Beats, leicht verständliche Worte, zugänglich, aber nicht oberflächlich. So wird Privates auf völlig unpeinliche Art öffentlich. Vergleiche zu Joni Mitchell, Neneh Cherry oder Björk hinken erheblich, denn Susi Hyldgaard klingt wie Susi Hyldgaard.

Dass sie Freude an Sprache und Sprechen hat, zeigte sich schon in früheren Jahren, als sie Musiksendungen beim Rundfunk moderierte. Als Dozentin an der Hochschule in Kopenhagen, wo sie junge Sänger am Klavier begleitet, stellte sie nun fest: "Die aktuelle Generation beginnt auf einmal wieder zu improvisieren. Sie bastelt sich ihre Sprache zusammen: Stücke, in denen sich die Dinge von selbst entwickeln – und damit die Musik als Ganzes. Niemand will mehr in diesen Schubladen leben." Mit Bjarke Falgren (Geige, Bratsche), Jannik Jensen (Bass) und Anders Pedersen (Schlagzeug) wird Hyldgaard das KulturForum zum Leuchten bringen – und vielleicht auch zum Erröten.


Heute, 20 Uhr, KulturForum

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 14.04.2005 01:00