TempEau ließen es unbeschwert krachen

Es kommt einem vor wie ein Zeitsprung aus präpubertären Zeiten. Damals hießen TempEau noch Matsch und wagten in Ahrensburg-City erste Schritte in Richtung Rock-Olymp. Ein Vierteljahrhundert später stehen Marek Harloff, Jan Plewka und Stephan "Stoppel" Eggert im angenehm gefüllten Luna auf der Bühne und haben so vieles erreicht: Sie sind glücklich. Ein Trio, das sich seinen Kindheitstraum bewahrt hat und nun in vollen Zügen auslebt.

Aus den Texten und Refrains ihres aktuellen Albums könnte man die jetzige Situation der Band plakativ darstellen: "Der schönste aller Zufälle sind wir" oder "Es führt kein Weg zurück" oder "Wir schwimmen hinaus". Jan Plewka schrieb die Zeilen, die sich um Liebe, Suff und Tod drehen, in der schwedischen Einsamkeit, überlässt das Mikro jedoch seinem Freund Marek Harloff. Plewka könnte auch singen, wie er schon zu Selig-Zeiten bewies - bei TempEau einigte man sich aber bewusst darauf, in dieser Konstellation aufzutreten. Ein Akt des Vertrauens.

Der schmächtige Harloff kämpft mit deutlichen Defiziten in der Intonation, wenn die Stimme etwas unsauber und quengelig in den Strophen wirkt - aber das soll so sein. Auch ist das, was Gesang, Bass, Gitarre und Schlagzeug erzeugen, musikalisch nicht spektakulär: simpel gehaltene Song- und Akkordstrukturen, ruppiger Punkrock bei "Sexy genug" oder "Benzin", harmonischer Poprock bei "Halt mich" oder "Ich und Du". Doch der Zuhörer spürt während des gesamten Konzerts, dass die drei auf der Bühne unglaublich froh darüber sind, in diesem Moment zusammen da oben zu stehen. Genau in dieser Besetzung, genau mit diesen Songs. Und dieses Gefühl macht oft mehr aus als alle Virtuosität.

Die Maxime im Studio - es krachen lassen! - setzen TempEau auf der Bühne um in Lautstärke und Dynamik. Schlagzeuger Eggert tobt sich dann aus, treibt mit Harloffs Achtelbass und dem Orgelfußbass die Songs an; ausgelassen, aber nicht ungezügelt. Plewka erzählt in den Pausen Anekdoten aus vergangenen, scheinbar erfolgreichen Tagen ("Wir dachten, wir hätten es geschafft!"), über verschiedene Zusammentreffen mit Naomi Campbell in Berlin und persönliche Verknüpfungen mit Kiel.

So widersprüchlich das Outfit mit Anzug, aber blonden Perücken ab der Hälfte des Programms, so ehrlich das Wettern gegen die (nord)deutsche Radiolandschaft. Eine Mischung aus Kindergeburtstag, Selbstironie und Punkattitüde. "Junge im Schnee" steht stellvertretend für einen der Höhepunkte, der bei den lautstark geforderten Zugaben auch im zweiten Aufguss die gleiche Wirkung zeigt. "Das ist unprofessionell, aber wir tun es trotzdem" - eine symptomatische Aussage einer Band, die unbeschwert aufspielen kann.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 17.02.2005