The Creetins: Vom Proberaum in Molfsee raus in die weite Welt

 

Kiel – In diesen Tagen spielen sie mit Pennywise vor 1000 Zuschauern. Demnächst stehen Konzerte mit den Turbo AC's und anderen namhaften Punkrock-Bands an. Die aktuelle Single The Spirit Is Willing ist inoffizieller Stadion-Song des FC St. Pauli. Es scheint, als sei es bis zum Erfolg ihrer Idole Misfits, Ramones oder The Descendents nicht mehr weit für das Kieler Trio The Creetins. Seit 1996 rocken die beiden Brüder Frederick (Gitarre, Gesang) und Matthias Frank (Schlagzeug) sowie Stefan "Fanski" Lorenzen (Bass), der seit dem Frühjahr Hendrik Piatowski ersetzt, durch ihre Mitgrölnummern. Morgen kommt ihr drittes Album "(The) City Screams My Name" auf Roadrunner Records in die Läden.

Ihr scheint sehr glücklich mit der Platte zu sein!?

Frederick: Das ist die Belohnung für alles. Teilweise sind Songs dabei, die wir schon seit drei Jahren spielen und total ausgefeilt haben. Diesmal haben wir uns richtig viel Zeit gelassen, waren auch lange im Studio in Berlin, bei zwei sehr coolen und erfahrenen Typen (die Produzenten Andi Jung und Archi Alert, die vorher für The Bates, Terrorgruppe oder Goldene Zitronen an den Reglern standen, Anm. d. Red.). Die wussten, was sie aus uns rauskitzeln konnten...

Matthias: ...die waren aber auch offen für neue Sachen. Den Gesang haben wir teilweise auf einem Hausbootstudio aufgenommen, wo dann Enten vor dem Bullauge vorbeigeschwommen sind.


Macht sich dieses Rauskitzeln auch beim Songwriting bemerkbar?

Frederick: Ja, ich denke schon. Das Album ist sehr abwechslungsreich geworden. Man merkt auch, dass wir uns weiterentwickelt haben. Ohne Auflagen von der Plattenfirma, der Vertrag wurde nämlich erst nach den Aufnahmen unterschrieben. Wir haben einfach unser Ding gemacht, so wie wir es wollten. Vor allem war es uns wichtig, keine aalglatte Produktion abzuliefern, die bei jedem Radiosender gespielt wird. Roh sollte das Album sein, mit Ecken und Kanten.

Aber der Sound ist schon professioneller geworden...

Frederick: Klar, man muss das auch im Verhältnis sehen. Die ersten Aufnahmen hatten sicherlich noch mehr Punk-Charakter, aber im Vergleich mit anderen Bands, die in Deutschland was zu sagen haben, kann man nicht mit einer absoluten LoFi-Sache ankommen. Aber wir haben immer noch wesentlich mehr Rotz als andere Bands!


Nie darüber nachgedacht, die Besetzung aufzustocken?

Frederick: Nee, nie. Das ist zu dritt viel besser, weil der Kommunikationsweg so angenehm kurz ist. Wenn dann noch der eigene Bruder in der Band spielt, läuft es eh von allein. Wir sind drei eingeschworene Köpfe, von denen jeder genau weiß, was der andere macht, vor allem auf der Bühne. Live geht es als Trio direkt in die Fresse. So soll es sein.


Fanski, wie ist das für Dich als ganz frisches Mitglied?

Stefan: Das sind alles neue Erfahrungen, die ich gerade sammle. Auf jeden Fall sehr aufregend! Ich kenn' die beiden schon seit Jahren, wohne ja auch mit Frederick zusammen. So brauchte er nur an der nächsten Tür zu klopfen, um nach einem neuen Bassisten zu fragen. Und nebenbei senke ich noch den Altersdurchschnitt der Band...(lacht)


Ist es für Euch bei so vielen Shows noch etwas Besonderes, in Kiel zu spielen?

Alle: Absolut. Wir sind vor keinem Auftritt so aufgeregt wie hier. Das ist was komplett anderes, egal wie viele Zuschauer woanders sind. Man kennt halt die meisten Leute, die einen seit Jahren begleiten, die die alten Scheiben kennen und wissen, was passiert ist.

Frederick: Bis zum nächsten Frühjahr heißt es jetzt: durchspielen, Namen machen, Platte verkaufen. Und dann nach und nach die Welt erobern (lacht). In etlichen Ländern wird das Album auch veröffentlicht. Supergeil. Ich freu mich schon auf die Japan-Tour!


Ihr seid also bereit für den großen Schritt?

Matthias: Wir warten ja schon die ganze Zeit darauf, dass es endlich losgeht. Die Entscheidung fiel vor längerer Zeit, als wir unser Studium abgebrochen bzw. unterbrochen haben. Die Bedingungen sind momentan optimal, auch in Zusammenarbeit mit dem ganzen Roadrunner-Team. Da werden einem ganz andere Türen geöffnet. Als Band kannst du dir immer den Arsch abspielen, aber es interessiert vielleicht niemanden – oder du spielst dir den Arsch ab, und es interessiert die Leute. Wir machen das gleiche wie vor drei Jahren, aber mittlerweile hat es einen Effekt. Jetzt wird Mucke gemacht, jetzt kommt die Platte raus, das ist der Startschuss.

 

Sonnabend, 2. September, Schleiluftfestival in Schleswig

Freitag, 13. Oktober, "10 Jahre The Creetins & Album Release Party", Kiel, Pumpe (mit der Band Bitume)

Infos unter www.creetins.com

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1933940