The Movements - Extrem würziger Schwedenhappen


Kiel – Irritation im Vorfeld: Kommen jetzt die Dänen The Movement oder die Schweden The Movements in die Schaubude? Da beide Bands nicht nur ähnlich heißen, sondern auch musikalisch auf ähnlichen Baustellen werkeln, wäre man mit jeder Entscheidung einverstanden gewesen. Den Zuschlag bekommen schließlich die fünf Göteborger, die zum wiederholten Mal beweisen, welches Land die höchste Dichte an tollen Rockbands aufzuweisen hat.

Es kann so einfach sein, die Kieler Zuschauer auf seine Seite zu holen. Beinahe mühelos bedienen sich David Henriksson (Gesang), Christian Johansson (Gitarre), Daniel Eriksson (Bass), Gustaf Gimstedt (Keyboard) und Thomas Sundberg (Drums) der goldenen Bühnenregeln: Spielfreude, Entertainment und positive (oder, wenn erwünscht, negative) Ausstrahlung. Rampensau Henriksson macht es vor und sucht sofort den Kontakt, läuft mit Mikro durch die engen Reihen und scheint während des gesamten Konzerts unter Strom zu stehen. Beim dritten Song erklimmt er das Thekenbrett, singt von dort oben weiter, als gehörte das zu seiner täglichen Gymnastik. Zusätzlicher Bonus: In keinem anderen Laden Kiels wird so eine Rockstarpose derart sympathisch gelassen hingenommen. Kein "Huch, was macht der denn da?", sondern ein "Yeah, er zieht die richtige Show ab!"

Einige Songs stammen von der Drag Me Up-EP aus dem Vorjahr, als sich die Göteborger noch The Lost Movements nannten, um den Namenswirrungen zu trotzen. Die Mehrheit sind jedoch Live-Premieren des neuen Materials, das auf die kommende Platte gepresst werden soll. Direkt aus der rumpeligen Garage scheinen die Songs zu kommen. Es wird gerockt und textlich der Aufstand geprobt: klare, schneidende Gitarrenriffs, Geschrei wie bei The Sonics oder als Stakkato-Salven rausgefeuerte Parolen (Die For You). Bei aller Brachialität dominiert immer ein Gespür für Melodien, die auch The Hives, Hellacopters oder Backyard Babies auszeichnen. Gimsteds quengelige Farfisa-Orgel und mehrstimmiger Gesang bringen Sixties-Feeling, leicht psychedelische Anleihen und sogar Pop-Harmonien in diese schweißtreibende Stunde. Unter drei Zugaben werden The Movements nicht von der Bühne gelassen. Berechtigte Frage eines verblüfften Zuschauers: "Gibt es eigentlich schlechte Rockbands aus Schweden?"

Von Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1752962