Thimo Sander und Band starteten ihre Deutschland-Tour im Luna


"Wünscht euch was! Ich mach alles für euch!" Gelächter im Publikum. "Doch, wirklich!" Beim Tourauftakt sagt sich so was noch leicht – obwohl Thimo Sander es gar nicht nötig hätte, sich das Wohlwollen auf diese Art zu erbetteln. Beim Konzert im Luna erzielte sein urbaner Gitarrenpop im Singer/Songwriter-Stil genügend musikalische Wirkung, um sicherlich einige neue Anhänger zu gewinnen.

Viele dürften es allerdings nicht sein, gemessen an der Zahl von knapp 30 zahlenden Zuschauern. Tocotronic-Nachwehen? Oder einfach nur ein Dienstagabend? Egal. Die Anwesenden sonnten sich im Sound des schlaksigen Friesen, der 1996 von der Nordseeküste nach Berlin-Kreuzberg zog, um der Metropole romantische Melancholie zu lehren. Das letztjährige Album Eine Hand immer sowie die Zusammenarbeit mit Susi van der Meer, den Lemonbabies oder Poems for Laila reichen als stilistische Eckdaten, um Sander einen Platz zwischen musikalischer Tradition und modernem Songwriting zu sichern. Auf Platte teilweise angereichert mit elektronischen Elementen, tritt der Sänger und Gitarrist live in abgespeckter, klassischer Trio-Instrumentierung auf die Bühne.

Gemeinsam mit Markus Runzheimer (Bass) und Nils Olejniczak (Schlagzeug) ergibt sich trotz des ersten Konzerts auf Tour schon eine fein abgestimmte Einheit: Bassist Runzheimer steht meist vornüber gebeugt und mit geschlossenen Augen, ganz versunken im eigenen Spiel. Er unterstützt den Bandleader gesanglich in den Refrains, wird von ihm außerdem zur Versteigerung angepriesen: 1 Euro Startgebot oder 20 Euro Sofortkauf für die Nacht in Kiel. Keine Interessenten – Schwamm drüber. Olejniczak beschränkt sich am Schlagzeug auf rhythmischen Halt, passt sich mit verschiedenen Sticks der jeweiligen Stimmung des Songs an.

Denn Atmosphäre scheint bei Thimo Sander wichtiger als Dynamik: Er muss nicht schreien, um seinen Aussagen Kraft zu verleihen. Selbst in den druckvollen Passagen singt er noch behutsam und fragil. So thematisieren auch die Texte zeitlose Gefühle um Liebe und Leben in einer kurzlebigen Zeit: die Sehnsucht nach dem, was man nicht hat oder die Schrecken des Wiedersehens nach einer Trennung, vertont in einer Solo-Ballade. Auffällig sind sein liebevoller Umgang mit der Gitarre sowie das intensive Spiel mit den Effektgeräten und Schwingungen des Instrumentenkorpus. In solchen Momenten klingt Sander wie Evan Dando, Sänger der Lemonheads, beispielsweise bei Schutzengel oder Eine Hand immer mit ruhigem Zwischenteil und dem allmählichen Wiederaufbau der Spannung. Bei einem Konzert, das wesentlich mehr Resonanz verdient hätte.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 17.03.2005 01:00