Till von Sein im Interview


Neumünster/Hamburg – Mit seinem Partner Aera alias Ralf Schmidt geht Till von Sein den nächsten Schritt: vom DJ zum Produzenten eigener Songs. Schon im Winter konnte man in seinen Sets unbekannte Tracks hören, die es in keinem Laden zu kaufen gab. Es war die Testphase für die erste Veröffentlichung beim Berliner Trenton-Label, "Angel of the A7". Till von Sein überzeugte nicht nur das Kieler Publikum, sondern auch Labelchef Sam Rouanet alias Reynold, der es sich nicht nehmen lässt, bei der morgigen Release-Party höchstpersönlich mitzufeiern. Ein Sweat-Abend ganz im Zeichen der Familie.

Wo siehst du Unterschiede zwischen der Tätigkeit als DJ und der als Produzent?

Till von Sein: Ralf und ich haben beide nicht die wirkliche Ruhe, sind schnell gelangweilt. Beim Auflegen machst du eine neue Platte an – und fertig. Wenn es dann noch flowt, ist es auch für die Tanzenden das Optimum. Beim Produzieren geht das leider nicht: Loops basteln kann wahrscheinlich jeder – aber daraus richtige Songs werden zu lassen, ist eine ganz andere Geschichte.

Aber es hat auch Vorteile...

Klar, vor allem den dass man sich schon mal stundenlang zu Hause abreagieren kann, ohne auf das Publikum zu achten. Für mich ist das eine Art Therapie von dem ganzen anderen Alltagsstress.

Wie läuft die Zusammenarbeit beim Songwriting?

Am Anfang war es völlig ausm Bauch heraus. Meistens hab ich einen Beat oder die Idee für eine Bassline vorgelegt, und Ralf setzte anschließend Melodien und Effekte darüber. Mit dem Track "Lesbah", der auch auf der EP ist, änderte sich die Arbeitsweise: Aufgrund von akutem Zeitmangel und Wohnortwechsel (Ralf wohnt mittlerweile in Hamburg, d. Red.) schickte ich ihm den fertigen Track per Mail, so nach dem Motto: Was denkst du, was sollte man ändern? Mittlerweile hat sich das so eingespielt. Wir sind wie Spielkinder. Da kann es passieren, dass an manchen Abenden bis zu drei Skizzen zwischen Hamburg und Neumünster per Mail hin- und hergeschickt werden.

Bist du schließlich auf die Plattenfirma zugegangen?

Ich bin schon seit zehn Jahren sehr gut mit Clau (Claudia Marquardt alias P.toile, Freundin von Sam Rouanet, d. Red.) befreundet. Auch mit Sam hab ich mich gleich sehr gut verstanden. Als ich anfing zu produzieren, meinte er sofort, dass man da was machen könne, wenn die Zeit reif ist. Man sei ja schließlich eine Familie! Der Track, der Sam als erstes geflasht hat, kommt auf einen Labelsampler, der im Juni erscheint.

Was hat es mit dem Engel der A7 auf sich?

Der Arbeitstitel war eigentlich "Karl Krack", weil mich die Drums an den großen Meister Carl Craig erinnerten. Aber nachdem wir den Song gemacht haben, saßen Ralf und ich im Auto nach Kiel. Ich sollte an dem Abend noch auflegen, es war düster, fast schon winterliche Stimmung. Da passte "Angel of the A7" irgendwie perfekt. Als ich dann im Januar in Südafrika war, hab ich Ralf die Entscheidung überlassen – und so kam es dann.

Stehen weitere Veröffentlichungen an?

Wir arbeiten gerade intensiv an den Nachfolge-Releases. Die ersten drei Tracks sind schon wieder gemastert und warten jetzt nur noch auf das entsprechende Label. In der Pipeline ist aber wesentlich mehr Material. Ziel ist, dieses Jahr noch mindestens eine weitere Maxi unter die Leute zu bringen.

Hat diese Fülle einen besonderen Hintergrund?

Für mich als DJ ist es das Wichtigste, Produktionen an den Start zu bringen, um die nächste Stufe zu erreichen, sprich: mehr Gigs zu bekommen. Es ist die beste Visitenkarte, um sich im Rest des Landes bei den Clubbetreibern vorzustellen. Mehr Gigs in anderen Städten, bessere Gage, mehr Platten, noch mehr Gigs... ein Kreislauf. Ralf und mir gefällt dieser Lifestyle. Ich liebe Partys, ich liebe Reisen, also alles super.

Morgen, 23 Uhr, Luna: Record Release Party mit Till von Sein und Xenon, Upperfloor: Pre Amp Tango, special guest: Reynold (Berlin)

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Mit dem DJ und Produzenten Till von Sein sprach Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/pdf/?id=1845319