Tok Tok Tok

 

Immer wieder faszinierend bei Tok Tok Tok: die transparente Produktion mit rhythmisch und harmonisch sehr geschickten Arrangements. Das fünfte Album „About“ (BHM/ZYX) von Sängerin Tokunbo Akinro und Songschreiber Morten Klein (Saxofon, Mundtrommel, Gitarre, Fender Rhodes) steht für feinsten, jazzigen Acoustic-Soul. „Schon als wir als Trio angefangen haben, war dieser Sound unser Klangideal - auch, wenn weitere Instrumente hinzukamen“ beschreibt Akinro das Band-Prinzip, und Klein wirft ein: „So ging es wohl auch Count Basie, wenn er seine sparsamen Klaviersoli spielte.“

Timing und Phrasierung stimmen symbiotisch überein, auch, weil die Beiden als Songwriting-Team aufeinander eingespielt sind. Akinro: „Ich fühle mich von Mortens Kompositionen sehr inspiriert und finde schnell textliche Assoziationen zu der Stimmung des Songs. Umgekehrt gibt es bestimmte Themen, die ich unbedingt aufs Album bringen wollte.“ Die poetischen Texte der Deutsch-Nigerianerin erzählen von den Erlebnissen durch Reisen und häufige Umzüge, aber auch von der Suche nach der eigenen Identität und den Formen von Rassismus, denen sie in Deutschland und anderswo tagtäglich ausgesetzt ist.

War die erste CD „This Can’t Be Love“ (1998) noch von Jazzstandards geprägt, erweiterten die zwei Nachfolger das Repertoire mit Rock- und Pop-Songs. Bei „Ruby Soul“ (2002) kamen erstmals sämtliche Stücke aus eigener Feder. „Die Entscheidung, eigene Songs zu schreiben, war sehr wichtig. Dadurch gab es die Möglichkeit, ein noch stärkeres eigenes Profil zu entwickeln. Das finde ich spannend – fast wie das Entwickeln einer eigenen Sprache“ erzählt die Wahl-Freiburgerin. Christian Flohr (Kontrabass) sowie Jens Gebel und Hartmut Zeller (Rhodes) halfen im Osnabrücker Studio bei Hrólfur Vagnsson, Songs wie „Don’t Go Away“ oder „The Breakdown“ sowohl Intimität als auch Groove einzuhauchen. Ist es die Wiedergeburt des weiblichen Jazzgesangs, der analoge Gegenschlag zum digitalen Sample-Zeitalter? Akinro: „Von dem Boom haben sicherlich viele Sängerinnen profitieren können. Dabei hat jede eine eigene Stimme und einen eigenen Sound: Norah Jones unterscheidet sich von Diana Krall, diese wiederum von Silje Nergaard. Trotzdem wird da oft in einen Topf geworfen, weil es einfacher ist, in Schubladen zu kategorisieren.“

Henrik Drüner