Serie „Man singt deutsch“ – Teil XY: Toni Kater

Vor mehr als 20 Jahren rollte die Neue Deutsche Welle übers Land und spülte Nena, Spliff und Peter Schilling an unsere Ohren. Es folgten die Abkehr und eine große Entfremdung im Pop gegenüber der eigenen Sprache. Mittlerweile drücken sich deutsche Bands wieder vermehrt in ihrer Muttersprache aus und stoßen mit frechen Sounds und Texten bis in die Charts vor. „Die Glocke“ stellt sie in loser Reihe vor. Heute: Toni Kater.

Mit ihrem Debütalbum „Gegen die Zeit“ gilt Toni Kater als die neue deutsche Songwriter-Hoffnung und die Single „Wo bist du?“ rotiert auf allen Kanälen. Produziert wurde die Platte von zwei alten Bekannten in Popbusiness, Inga Humpe und Tommi Eckart alias 2raumwohnung. Doch die Wahl-Berlinerin entspricht gar nicht dem Bild eines schnell verglühenden Sternchens, im Gegenteil: Den Erfolg musste sich die 27-Jährige hart erarbeiten, wie sie im Gespräch mit Glocke-Mitarbeiter Henrik Drüner verriet.

Glocke: Im Pressetext steht recht lapidar, dass du nach dem Umzug in die Hauptstadt „entdeckt“ wurdest. Wie kann man sich das genau vorstellen?

Toni Kater: Das sind so Sätze…das stimmt so natürlich nicht ganz! Ich kam nach Berlin, hatte einen Plattenvertrag, der floppte. Dann einen zweiten, der auch floppte. In der Zeit habe ich mit völlig verschiedenen Leuten zusammengearbeitet und immer Musik gemacht – aber nie erfolgreich. Das hat schon jahrelang gedauert, bis ein Tape von einer Freundin und mir über Annette Humpe zu Inga gelangte. Tommi und Inga haben uns sehr gefördert und letztendlich freigekauft, so dass ich ihnen sehr dankbar bin.

Inwieweit sind 2raumwohnung an Toni Kater beteiligt?

Außer der Produktion haben wir nicht viel miteinander zu tun. Die beiden sind zwar immer die ersten, denen ich die Stücke vorspiele und sie sind auch maßgebend in ihrer Meinung für mich, aber dir reden mir im Schreiben selber überhaupt nicht rein. Man hört sicher, dass wir das Album gemeinsam produziert haben – aber ich mag ihre Musik und es existiert ein ähnlicher Geschmack. Ich stell die Songs zu Hause alleine fertig und bring die arrangierten Demos ins Studio. Bis auf die Drums, da hab ich nicht so viel mit am Hut!

Die Songtexte klingen sehr persönlich, beinahe wie Tagebucheinträge. Alles autobiografisch?

Ja, glaub ich schon. Ich lass mich am liebsten von meinem eigenen Leben inspirieren. Wenn man die Texte ganz oft reproduziert, bekommt man ein anderes Gefühl und Einstellung dafür, besonders in der Live-Situation. Mal so, mal so: Es gibt Tage, an denen mir die Texte sehr nahe sind und solche, an denen ich mittlerweile ganz andere Bilder sehe.

Fühlst du dich als Teil der neuesten deutschen Welle?

Bei Bands wie Silbermond oder Juli glaube ich, dass die in ein, zwei Jahren niemand mehr kennt. Die sind einfach zu schnell hochgeschossen! Wie das bei mir sein wird? Keine Ahnung. Von Außen lässt sich ein Urteil leicht fällen, wie ich’s eben auch getan habe. Es ist nur gerade eine sehr glückliche Zeit für mich, dass so viel deutsche Musik gehört werden möchte. Sicher haben da viele Bands jahrelang den Vorreiter gemacht. Ich bin schon seit 10 Jahren dabei, doch damals wollte es keiner hören! Insofern profitiere ich von der Welle, habe mich aber nie daran orientiert.

Mi, 22.09.2004 Münster, Gleis 22 (+ Tommy Finke)
Sa, 02.10.2004 Köln, Yard Club (+ Team Blender)
So, 03.10.2004 Rheine, Little John (+ Dr. Peanut)