Trio DeVienne im Schauspielhaus

 

Geradezu spielerisch verschwimmen beim Trio DeVienne die Grenzen zwischen den starren Formen E- und U-Musik. Schubladendenken ist passé. Auf Einladung des VdM changieren Elke Aufschläger, Ákos Hoffmann und Sebastian Manz an Klarinetten und Bassetthörnern zwischen klassischem und jazzigem Programm, ohne dabei willkürlich zu wirken. Sie nennen es genreübergreifend „Von MozArt bis PopArt“ – und das passt. Dass im Schauspielhaus nur sechs Reihen voll besetzt sind, liegt zumindest keinesfalls an der Qualität des Trios.

Das Ensemble, hervorgegangen aus der Meisterklasse von Sabine Meyer an der Musikhochschule Lübeck, transportiert feinsinnig Charakteristika und Stimmungen der Werke. In der Arie „Madamina, il catalogo è questo” aus Mozarts „Don Giovanni“ für drei Bassetthörner schöpfen DeVienne besonders deren Klangfarben sättigend aus: warm, weich und dunkel ertönt die besinnliche Harmoniemusik, die ebenso punktgenaues Spiel verlangt wie Edison Denisovs „Zwei Stücke für drei Instrumente“. Als 'Katzenmusik' verschrien, scheinen Andante und Allegro einer Ursuppe von Tönen zu entstammen, aus denen sich akkordische Gebilde aneinander reiben. Gerade diesen erzeugten Mischmelodien liegt ein ganz besonderer Reiz zugrunde.

Bei den drei Tangos aus Astor Piazzollas „L’histoire du tango“ (Arrangement: Hoffmann) liegt der Schwerpunkt eher auf der Dialektik von Schwermut und Temperament. In Buenos Aires um 1900 noch Bordelle-Musik zum Anheizen der Kundschaft, kommt dieser Widerspruch wohl zur Geltung. Auffallend: die Verständigung der Musiker untereinander, die mimisch und per Augenkontakt Einsätze und Zäsuren fein justieren.

Das Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Klavier (Christian Reisser), op. 113, Nr. 1 in f-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy gerät gleich nach der Pause zu einem Höhepunkt: Elke Aufschläger beweist an der Klarinette sehr agil ihre feinfühlige Virtuosität. Ákos Hoffmann zieht anschließend bei Darius Milhauds „Scaramouche“ nach. Doch das Trio-Duell möchte keinen Sieger küren, weil es keine Konkurrenz gibt. Bei den jüngeren Werken - Benny Goodmans „After You’ve Gone” oder Sidney Bechets „Petite Fleur“ - lebt besonders Sebastian Manz auf, der mit sichtbarem Vergnügen und juveniler Gelöstheit (Jahrgang ´86!) seine ganze Klasse offenbart. Ein vielfältiges Konzert, das stellenweise begeistert.