Ulli Baum Quartett auf Hof Akkerboom

 

Sonntägliche Jazz-Frühschoppen haben ihren ganz eigenen Reiz. Ein Mikrokosmos im starren Wochenplan: Der Körper ist noch ermattet vom Schleier der Nacht, der erst allmählich weicht, um klaren Gedanken Platz zu machen. Und doch ist ein Aufbegehren zu spüren, wenn bereits vormittags ein Frischgezapftes auf Biergartentischen steht oder in geselliger Runde am Weißwein genippt wird. Es ist der Luxus des freien Tages, der - musikalisch untermalt - vielfältig die Sinne befriedigt und den Montag erst einmal Montag sein lässt.

Ulli Baums Musik scheint wie geschaffen für einen solchen Frühschoppen. Der Sänger und Gitarrist aus Barmstedt steht mit seinem Quartett für leichtgängigen und relaxten Jazz, der aber auch an Folk, Pop und Blues schnuppert. Wie auf seiner aktuellen CD „Joy & Spirit“ bleibt alles im Rahmen anspruchsvoller Unterhaltung: Weder driftet das Programm in seichte Gewässer ab, noch werden die Zuhörer von Songungetümen überfordert. Auf der Tenne von Hof Akkerboom markieren neben subtil arrangierten Standards auch stimmungsvolle Eigenkompositionen das Programm des Ulli Baum Quartetts. Ihm zur Seite stehen der Pianist Leo Volskiy aus St. Petersburg, Bassist Felix Weigt sowie Schlagzeuger Konrad Ullrich: Junge Musiker, die sich teilweise schon in der Hamburger Jazz-Szene einen Namen machen konnten und genauso unverkrampft wie professionell agieren. Soli unterstreichen die spielerische Klasse der Drei, bei denen das Schlagzeug akzentuiert und doch lässig den Rhythmus vorgibt, während der Bass die Harmonien des satten Klaviersounds erdet.

So ist es ein Leichtes für Baum, auf diesem instrumentalen Fundament seine Stimme auszubreiten. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, er sei Autodidakt. Bei ihm scheint alles aus dem Bauch heraus zu kommen, so natürlich und ungeschult klingen sein Timbre und seine Bühnengestik. „East Of The Sun (West Of The Moon)“, Nat King Coles „Frim Frim Sauce” oder „It’s The Talk Of The Town“ von Glen Gray aus dem Jahr 1933 bringen humorvollen Blues Swing, teilweise mit Scat-Gesang angereichert. Zwar orientiert sich Ulli Baum dabei an Größen wie Kurt Elling oder Ella Fitzgerald, doch sein improvisiertes Singen wird von einem ganz eigenen Stil getragen. So auch bei John Coltranes Klassiker „Naima“ (mit einem Text von Jon Hendricks über Coltranes erste Frau als gute Mutter und Ehefrau), bei dem er gegen Ende der elegischen Innenschau in Scat-Freestyle ausbricht. Denn Musik ist für Ulli Baum sowohl Ventil als auch Kommunikationsmedium: „Step By Step“ beispielsweise widmete er seinem Sohn mit einer textlichen Botschaft, um sich zumindest auf diesem Wege Gehör zu verschaffen - sie scheint 'angekommen' zu sein. In dem Maße, wie Bill Withers das Wochenendfrühstück versüßen kann, gelingt es auch Ulli Baum, eine sehr intensive Atmosphäre zu verbreiten. Es ist keine ausgelassene Fröhlichkeit, sondern die leichte und genussvolle Trägheit des Sonntags. Und die sollte durchaus kultiviert werden.