Über den Umgang mit dem Phänomen Pop - Thomas Venker und Felix Klopotek lesen im Luna Club

 

Sind Platten-, Film- und Buchbesprechungen ein totes Format? Ist es überhaupt möglich, über Musik zu schreiben? Ginge es nach Thomas Venker, Chefredakteur des Musikmagazins Intro, müssten sich Musikjournalisten zumindest wesentlich subjektiver mit dem Phänomen Pop auseinandersetzen, statt als verlängerter Arm der Industrie nur Informationen unreflektiert weiterzuleiten. Ihm geht es nicht um den weit verbreiteten Servicegedanken - er plädiert für ein „nebulöses Driften durch Erlebniswelten“ und ein „radikales Einbringen des Autor-Ichs als schreibendes Subjekt“. In seinem Buch „Ignoranz und Inszenierung. Schreiben über Pop“ bündelt der 34-jährige Wahl-Kölner Essays, Interviews und Artikel, die bereits in den letzten Jahren in der Intro abgedruckt wurden. Die Künstlerspannbreite reicht dabei von David Bowie über Radiohead und Tocotronic bis hin zu Kelis oder Daft Punk, stets umhüllt von der soziokulturellen Attitüde.

Im Rahmen der Urban Poetry-Reihe im Luna liest Venker am Dienstag gemeinsam mit Felix Klopotek, Musikredakteur der Kölner Stadtrevue und Autor für Intro, Konkret und den WDR. Dessen erstes Buch „How They Do It“ von 2002 ist eine Aufarbeitung des vergangenen Musikjahrzehnts. Die mehrstündige Lesung wird Anekdoten von Begegnungen mit den Größen des Pop und Schauermärchen aus den Niederungen des Undergrounds preisgeben. Dazwischen beleuchten die beiden alles zwischen Labelpolitik und Trendsuche, zwischen Popdiktat, Dienstleistungsgesellschaft und mp3-Angst. Als Mitgestalter beim Stuttgarter onitor-Label kennt Thomas Venker das Business auch von einer anderen Seite: „Ich weiß eine CD-Produktion noch zu würdigen, besonders die Arbeit, die dahinter steckt. Zusätzlich schult es den Blick."

Der Titel des Abends, „Vier Fäuste für Mike Watt“, ist zum einen der Verweis auf einen Text Klopoteks über The Minutemen und deren Bassisten, zum anderen das Bedürfnis der beiden Autoren, die Verbindung von Politik und Musik herzustellen. „Während Felix die fundierte Poplinke vertritt und sich das ganze Hintergrundwissen angelesen hat, bin ich eher der moralisierende Schreiber, der auf tagespolitische Themen reagiert“, begründet Venker die unterschiedliche Herangehensweise. Im Zusammenspiel ergibt sich so eine informative und kritische Bestandsaufnahme einer Welt rund um Glamour, Leidenschaft und Verausgabung, in der es aber auch um knallhartes Geschäft, schnelle Hypes und die schwere Katerstimmung danach geht. Die Lesungen lösen sich von ihren Büchern und werden zum jeweiligen Thema mit dem Einspielen der passenden Songs kombiniert. Denn darum geht schließlich bei aller Theorie: um Musik.

Dienstag, 21 Uhr, Luna: Urban Poetry-Lesung „Vier Fäuste für Mike Watt“

Von Henrik Drüner