Der heiße Tanz jenseits der Klingeltöne: Vierte Videoclipdancing Meisterschaft in Gaarden

 

In den kurzen Pausen zwischen der Werbung für Handyklingeltöne bei MTViva laufen sie noch: Videoclips. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist die Tanzperformance, die körperliche Unterstützung von Text und Ton mit Armen und Beinen, wie von unsichtbaren Strippen gezogen. Bei der 4. Videoclipdancing Meisterschaft in der Hein-Dahlinger-Halle konnten sich 30 Teams mit insgesamt 260 Teilnehmern in dieser modernen Sportart messen.

Es ist heiß. Besonders vor der Halle, aber auch drinnen. Eltern, Geschwister und Freunde fächeln sich mit dem Programmheft Luft zu, während sie ihre Schützlinge von der Tribüne aus frenetisch anfeuern. Unten aus dem Parkett tummeln sich bunte Farbflecke, bestehend aus sechs- bis zwölfköpfigen Formationen, die durch Hüte, Trikots, Röcke oder Stulpen eine Einheit bilden. Gebannt guckt man, was die Konkurrenz anstellt oder probt ein letztes Mal die eigenen Schrittabfolgen – der immerwährende 4/4-Takt macht's möglich.

In den Altersgruppen Kids, Juniors und Seniors treten die Teilnehmer aus dem gesamten norddeutschen Raum in zwei Durchgängen an, um ihr einstudiertes Programm der Jury zu präsentieren. Leslie Hodam (RSH Kiel), Katja Franz (Kieler Turnerbund Brunswik), Breakdancer Mark Mölleskov sowie zwei Vertreter der Kieler Wirtschaft vergeben anschließend jeweils bis zu zehn Punkte in den Kategorien Harmonie, Effekte, Schwierigkeitsgrad, Ausdruck und Gesamteindruck. Im Zuge von "DSDS" oder "Popstars" wurde Videoclipdancing immer populärer, denn die meisten der Teilnehmer werden im Stillen davon träumen, irgendwann einmal mit den Stars auf der Bühne zu stehen – "Dance like stars" lautet nicht von ungefähr das lockende Motto von D!'s Dance Club, der Dachorganisation des Veranstalters Dance Factory Kiel.

Aus den Boxen dröhnen die Songs. Drei, vier sind es pro Formation, um die verschiedenen Tanzschritte aus HipHop, R&B und Pop unterzubringen. Absolute Favoriten: One Two Step (Chiara feat. Missy Elliott) und Baby Boy von Beyoncé Knowles. Die "Latinas go HipHop" vom Tanzforum Büchen-Schwarzenbek e.V. bringen südamerikanisches Flair und eine dementsprechend gute B-Note, aber keine vordere Platzierung. Die schaffen "N!Motion" von der Dance Factory Kiel mit sehr raffinierter und witziger Choreographie – nicht nur, weil den beiden Jungs im Team von hinten die Hose heruntergezogen werden. Klar, im Rhythmus.

Allgemein gilt: Je älter, desto mehr Präzision und Dynamik beleben den Vortrag zwischen Aerobic, Kokettieren und sichtbarer Freude am Tanzen. Videoclipdancing, nur ein Trend? Nicht, solange Klingeltöne das Musikgeschehen nicht vollständig übernommen haben.

Kids: 1. Platz "Just Us" – Dance Factory Kiel; 2. Platz "Magic Power Girls" – Fitnessline Reinfeld; 3. Platz "Innovation" – Tanzstudio Dreamdance Lübeck; Juniors: 1. Platz "N!Motion" – Dance Factory Kiel; 2. Platz "Funky Fire" – Tanzschule Hesebeck, Itzehoe; 3. Platz "Dancing Demons" – Tanzschule Gemind; Seniors: 1. Platz "Magic Lights" – Silvio Valiani, Hamburg; 2. Platz "Splash!" – Dance Factory Kiel; 3. Platz "Dance Devils" – Tanzschule Hesebeck, Itzehoe

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 31.05.2005 01:00