Linus Volkmann

Linus Volkmann, Jahrgang 1973, lebt in Köln und ist neben seiner Redakteurstätigkeit beim Musik-Magazin Intro auch Autor von bisher drei popliterarischen Veröffentlichungen. Im Luna liest Volkmann vor allem aus seinem aktuellen Geschichtenband „Heimweh to hell“. Voller Humor, Wortwitz und reflektierter Sozialkritik. Henrik Drüner sprach mit dem Popliteraten.

KN: In deinen drei Büchern verkörpern die Protagonisten oft sympathische Verlierertypen. Soll der Leser damit solidarisch gebunden werden?
Volkmann: Scheitern in einer Gesellschaft ist ja immer vielsagender als funktionieren. Bei Losern merkst du, welche Verheißungen, die ihnen das System macht, führen eigentlich ins Leere? Welche Hoffnungen machen sich die Leute und in welcher Realität müssen sie sich dann aber einfügen? Es ist nicht genug für alle da, du kannst es vielleicht doch nicht schaffen, auch wenn du dich bemühst.

Wie viel Volkmann fließt in die Charaktere mit ein?
Abstraktion ist letztlich der Reiz bei Literatur. Das bloße Abbilden von eigenen Lebenswelten ist doch arg eitel und kunstlos. Dennoch zitiere ich gern Dinge, die ich sehe, die mir passieren, die ich so empfinde. Eine gewisse Differenz scheint mir aber unerlässlich. Ein triviales Beispiel: Super-Lupo isst Fleisch, während ich verbissener Veganer bin.

Sind die Bücher für dich ein Ventil angesichts des Büroalltags als Redakteur?
Klar, das eine klaut manchmal Zeit vom anderen und umgekehrt. Aber der
Ausgleich ist dennoch sehr angenehm. Bis ein Buch wirklich rauskommt, braucht es mitunter Jahre, und ohne eine Veröffentlichung werden wir labilen Typen schnell depressiv. Da ist es toll, durch Intro viel unmittelbarer gedruckt zu werden. Das beruhigt.

Bestehen Unterschiede oder Parallelen zwischen den beiden literarischen Ausdrucksformen?
Nicht umsonst fungieren meine Bücher unter dem Signum „Popliteratur“. Der Pop-Bezug ist ja mittlerweile schon Stilmittel. Aber ich finde, er ist längst nicht ausgelutscht. „Dirty Dancing“ zu zitieren und einen Absatz später eine Zeile von Böll zu übernehmen, finde ich reizvoll. Für popjournalistische Texte gelten lediglich noch andere Prämissen: Du willst informieren, solltest mit deinem Autoren-Ego nicht das jeweilige Sujet erdrücken.

Warum die konsequente Kleinschreibung?
Kleinschreiben verfälscht den Sinn nicht und ist ökonomischer. Ich habe selbst allerdings schon in meinen ersten Fanzines klein geschrieben und nur aus dem einfachen Grund: Es kam
mir subversiv vor und ich kannte es von RAF-Bekennerschreiben. Pathetisch, aber wahr.

Ist für dein Leben und Schreiben das in einigen Lifestyle-Magazinen deklarierte Motto, nicht Erwachsen werden zu wollen, relevant?
Das ist meiner Meinung nach nichts als Schwäche. Der Druck auf die Körper, schlank und jung sein zu müssen, ist ein perfides Werkzeug, mit dem man von der Mediengesellschaft beackert wird. Ich plädiere nicht für Anti-aging, sondern für Positive-aging!

Dienstag, 21 Uhr, Luna.