Morgen wird in Kiel der Club "Weltruf" im ehemaligen "King George" eröffnet


Kiel – "Vor fünf Wochen hab ich noch nicht einmal davon geträumt, einen Club zu führen. Morgen mach ich ihn auf. Wahnsinn!" Jens Lause schüttelt immer noch ungläubig lachend den Kopf. Genau in die Vorbereitungen für das Weihnachtsmarkt-Geschäft im "exlex" platzte das überraschende Angebot, die Räumlichkeiten des ehemaligen "King George" zu übernehmen. In Steinwurfnähe zum Café, das Jens zusammen mit Igor Hinnekeuser betreibt, verwirklicht sich der Kieler die Idee vom modernen Club: dem "Weltruf".

"Klar, das ist definitiv eine neue Herausforderung", weiß der 37-Jährige. Schon im Vorfeld musste innerhalb kürzester Zeit so vieles bedacht werden: Name, Kostenplan, Konzept, Personal, Werbung. "Ich glaube aber nach wie vor, dass in Kiel etwas zu bewegen ist; dass es spannende Nischen gibt, die noch nicht besetzt sind." Igor wird sich fortan verstärkt um das "exlex" kümmern, während sich Jens in das Abenteuer stürzt. Doch keineswegs kopflos. Im Spannungsbogen zwischen Bar und Club sollen die Abende im Weltruf mehr sein als nur reine Tanzveranstaltungen: "Man muss mittlerweile mehr bieten, um Gäste dazu zu bringen, einen Club als ihren Ort, ihren Heimathafen anzusehen."

Verschiedene Angebote, laute und leise Töne mit Lesungen und kleinen Konzerten verkörpert zudem der Untertitel "stereo.kultur.bar'. Also keine Monokultur, indem der DJ einen Stil über den ganzen Abend durchzieht – die Mischung und die Vielfalt stehen im Vordergrund. Freitags wechseln sich "Weltgroove" (Funk, Soul, Brasil, Reggae), "YeahYeahYeah!" (Indie/Alternative), "Klangdeck" (Elektronika) und "This Is England" (Britpop) ab, während samstags "Stereokultur" zählt. Alle Stile, alle Tore. Da Jens selber als DJ aktiv ist, stehen die Kontakte zur lokalen Szene bereits, und auch das Booking der auswärtigen Bands übernimmt er.

Eine außergewöhnliche Atmosphäre strahlt das Interieur in der Langen Reihe 21-23 aus, maritim und gemütlich. Ein dunkler Schiffsrumpf füllt den Eingang, die Galionsfigur am Bug schwebt über der Tanzfläche, außerdem locken bequeme Rettungsboote auf dem Oberdeck und ein Piranhabecken auf dem Weg zur Toilette im Keller.

Jens sieht in den bestehenden Elementen einen Vorteil: "Der Laden ist nicht retro, sondern original alt. Genau diesen Bruch suchen wir: Das alte Schiff annehmen, es wieder flott machen, aber die Leute aus 2005 abholen." Da Kiel wenig Bezug zum Hafen und auch keinen Kiez hat, entschieden sich Igor und Jens gegen einen maritimen Namen: "Der würde zu schnell verpuffen". Insofern überlegten sie sich "Weltruf", da der Name mit dem Hafen-Image spielt, aber im gleichen Maße modern und offen klingt.

Am morgigen 7. Januar stehen somit gleichzeitig der siebte Geburtstag des "exlex" ab 20 Uhr und die Eröffnung des "Weltruf" ins Haus – wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Sonnabend, 23 Uhr, Weltruf (Lange Reihe 21-23): Eröffnungsparty mit DJs Cop und Mar Beso; Öffnungszeiten: Di, Mi, Do 18-2 Uhr, Fr und Sa 20-5 Uhr; erstes Live-Konzert: Greta Schloch am 17. Februar; exlex-Geburtstag ab 20 Uhr

Von Henrik Drüner

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