Werkstattkonzert: Voller Feingefühl

 

Die kühle Strenge einer Lagerhalle, einfache Bestuhlung, eine schlichte Bühne, darauf ein Notenständer und ein schwarzes Klavier: nüchtern betrachtet kein Grund für besondere Konzerteuphorie. Doch die Werkstattkonzerte in der Firma Gabriel-Dach-Wand-Technik in Wellsee sind anders; Glücksfälle im Kieler Kulturjahr. Nicht nur das ungewohnte Ambiente übte durch seine Abwechslung einen Reiz aus, denn vor allem bei der Wahl der engagierten Künstler bewies Firmenchef Alfred Gabriel als studierter Musiker und Solo-Hornist erneut ein feines Händchen. Bereits 1992 wurden die Veranstaltungsreihe auf dem Betriebsgelände ins Leben gerufen - zum 20. Jubiläumskonzert lud Gabriel mit Matthias Wollong, Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden, sowie Pianist Gerald Fauth aus Berlin zwei renommierte Protagonisten ein.

In ihrem vielfältigen Programm zwischen klassischen Kompositionen und modernen Werken haperte es lediglich im Eingangsstück, insbesondere bei Violinist Wollong. Fritz Kreislers Bearbeitungen der „Variationen über ein Thema von Corelli“ gerieten zu angestrengt, zu fordernd, glichen die schnellen Läufe eher einer überdrehten Nähmaschine als einer sensiblen Interpretation der Noten. Doch gleich im folgenden „Präludium und Allegro“ von Gaetano Pugnani begeisterte der Solist und Dirigent mit eben diesem Parameter, einem sehnsüchtig-romantischen Ton voller Feingefühl. Ihm zur Seite verfügte Gerald Fauth am Steinway über eine breite Palette an spielerischen Nuancen: Sein Anschlag besaß Leichtigkeit und Eleganz, aber auch Kraft und Dynamik in den oftmals wuchtigen, finalen Forte-Schlägen. Sowohl begleitende als auch thematisch leitende Funktion übernahm Fauth in den jüngeren Werken vor der Pause, bei Ernst von Dohnányis „Ruralia Hungarica“, op.32a (1923/24) und George Gershwins „Three Themes from Porgy and Bess“.

So heterogen die Auswahl bis zu diesem Zeitpunkt, so einheitlich zeigte sich die zweite Hälfte: Mit spanischen Kompositionen von Pablo de Sarasate und Manuel de Falla sowie Ravels „Tzigane“ lag der Schwerpunkt auf rhythmisch akzentuierten Werken, wobei Wollong vor allem die „Zigeunerweise“ mit virtuoser Raffinesse belebte. Ein Leichtes waren für ihn die teilweise horrenden technischen Anforderungen wie auch diverse Stricharten wie Spiccato, Pizzicato oder Flageolett. Die Zuschauer in der ausverkauften Halle erklatschten sich zwei Zugaben - und werden beim nächsten Werkstattkonzert sicherlich wiederkommen.

Von Henrik Drüner