Sydney Youngblood & The Bluesnight Band beim Duckstein-Festival auf der Wasserbühne

 

Wie erniedrigend muss es für einen Künstler sein, wenn er oder sie nur mit einem Song gleichgesetzt wird, und schlimmer noch, diesen einen Song zwecks Broterwerbs bei jedem Konzert immer und immer wieder zum Besten geben muss? Genau, Drafi Deutscher ist so ein Beispiel. Wie befreiend muss es dann im Gegenzug sein, wenn ein Sänger wie Sydney Youngblood mit „Sit And Wait“ und „If Only I Could“ zwei Songs dieser Kategorie aufzuweisen hat, beim Konzert auf der Wasserbühne des Duckstein-Festivals aber gar nicht auf die Gassenhauer angewiesen ist.

Zu Beginn schmunzelte der Texaner aus San Antonio noch bitter: „Ja, ich spiele auch meine beiden Lieblingslieder!“ Doch erst später brach es Freude strahlend aus ihm heraus: „Heute darf ich machen, was ich will - das macht Spaß!“ So aufrichtig und ehrlich, dass alle Beteiligten seine Erleichterung beinahe mit Händen greifen konnten. Zu verdanken war dieser Zustand auch dem sehr zahlreich erschienenden Publikum, das sein restliches Oeuvre vor dem Bruch im Jahr 1994 wohlwollend aufnahm; vor allem war es jedoch der Verdienst seiner musikalischen Begleitung: The Bluesnight Band, das Quintett mit Gregor Hilden (Gitarre), Tommy Schneller (Saxofon), Oliver „Olli Gee“ Geselbracht (Bass), Horst Bergmeyer (Orgel) und Frank Boestfleisch am Schlagzeug. Die beiden Parteien boten eine derart kongeniale Symbiose, dass das Rollenverhältnis genau so gut umgekehrt im Programm hätte stehen können: Sydney Youngblood wäre nichts ohne seine All-Stars, und die Blues-Musiker nutzten den verbesserten Draht zum Zuhörer dank ihres Gastsängers.

In der ersten Hälfte des Abends dominierte ein Schmusekurs im lässigen Groove. Auf der Bühne allesamt Profis, die Atmosphäre im weiten Rund sehr entspannt, ein hochwertiges Aufwärmprogramm. Doch nach der Pause wirkte „Papa Was A Rolling Stone“ als ein erster Schmusebrecher, aus dem sich im Anschluss ein mitreißendes Konzert entwickelte. Gleichzeitig erhöhte sich die Dichte an Evergreens: Stevie Wonders „God Bless The Child“, Bill Withers’ „Ain’t No Sunshine“ oder die ewig werkelnde „Sex Machine“ von James Brown lieferten den Stoff fürs tanzende Volk. Die Bluesnight Band interpretierte die Songs jedoch nie als reine Cover-Versionen, sondern arrangierte sie neu. Dadurch gelang ein frischer Anstrich, ließ aber nicht die massenwirksame Grundidee vermissen. Hildens Bluessoli auf der Gitarre (Kommentar von Youngblood: „Er spielt so geil!“) begeisterten selbst die fachkundigen Kollegen Marc Breitfelder und Georg Schroeter im Publikum, ebenso die geschmeidigen bis gewaltigen Ausflüge von Saxofonist Schneller, der auch am Mikrofon überzeugte.

„If Only I Could“ und „Sit And Wait“ durften zwar nicht fehlen und stellten unter Beweis, dass Youngblood ein absolut versierter Sänger ist, doch im sonstigen Kontext wirkten sie beinahe zu pop-lastig, zu oberflächlich. Ein gutes Zeichen: Sydney Youngblood verkörpert nicht mehr nur die Marionette seiner vermeintlichen persönlichen Markenzeichen, sondern lebt seine Berufung als Sänger. Und das ist wesentlich mehr wert als über fünf Millionen weltweit verkaufte Tonträger.